Was ist das digitale Erbe?
Das digitale Erbe (auch: digitaler Nachlass) umfasst alle digitalen Werte und Online-Konten, die eine Person hinterlässt. Dazu gehören nicht nur offensichtliche Dinge wie Online-Banking — sondern alles, was mit einem Passwort gesichert ist oder in der Cloud liegt.
Im Durchschnitt hat ein Deutscher heute über 12 aktive Online-Konten. Ohne dokumentierten Zugang sind diese Werte für Hinterbliebene praktisch unerreichbar.
Was gehört alles zum digitalen Nachlass?
Online-Banking
Girokonten, Tagesgeld, Festgeld — oft bei verschiedenen Instituten.
Kryptowährungen
Bitcoin, Ethereum, Altcoins — ohne Seed-Phrase für immer gesperrt.
E-Mail-Konten
Gmail, Outlook, GMX — oft Zugang zu allen anderen Diensten.
Cloud & Fotos
iCloud, Google Photos, Dropbox — Familienfotos und Dokumente.
Abonnements
Netflix, Spotify, Amazon Prime — laufen nach dem Tod weiter.
PayPal & Guthaben
Guthaben auf PayPal, eBay, Amazon geht sonst verloren.
Social Media
Facebook, Instagram, LinkedIn — Gedenkseite oder Löschung?
Domains & Webseiten
Für Selbstständige: Firmen-Domains und Hosting-Zugänge.
Das größte Risiko: Kryptowährungen
Schätzungen zufolge sind bereits Milliardenwerte an Kryptowährungen weltweit unwiederbringlich verloren — weil Besitzer gestorben sind, ohne ihre Zugangsdaten zu dokumentieren. Wer Krypto besitzt, muss den Seed-Phrase (12 oder 24 Wörter) sicher und zugänglich für Vertrauenspersonen aufbewahren.
Was passiert mit Online-Konten nach dem Tod?
Die Antwort hängt vom Anbieter ab — und davon, ob Ihre Erben überhaupt wissen, dass das Konto existiert.
Facebook / Instagram (Meta)
Meta erlaubt es, ein Profil in eine Gedenkseite umzuwandeln oder vollständig zu löschen. Voraussetzung: Der Erbe kann den Tod nachweisen und hat entweder das Passwort oder ist als Legacy-Kontakt eingetragen. Ohne Passwort ist eine vollständige Übernahme kaum möglich.
Google / Gmail
Google hat einen sogenannten "Inactivity Manager" — damit können Sie zu Lebzeiten festlegen, was nach Ihrem Tod mit dem Konto passiert. Ohne diese Einstellung können Erben nur mit viel bürokratischem Aufwand Zugang beantragen.
Apple / iCloud
Apple ist besonders restriktiv: Ein iCloud-Konto ist personengebunden und wird nicht vererbt. Ohne Passwort oder Legacy-Kontakt verlieren Erben den Zugriff auf Fotos, Dokumente und alle gespeicherten Daten — dauerhaft.
Online-Banking
Banken sperren Konten unmittelbar nach dem Todesfall. Erben müssen sich mit Erbschein und Sterbeurkunde ausweisen — ein Prozess, der Monate dauern kann, wenn keine Vollmacht vorliegt.
So regeln Sie Ihr digitales Erbe richtig — in 5 Schritten
- Bestandsaufnahme machen: Listen Sie alle Online-Konten auf — Banking, E-Mail, Social Media, Abonnements, Krypto. Erschreckend viele Menschen unterschätzen, wie viele es sind.
- Krypto-Zugänge sichern: Notieren Sie Seed-Phrases und Private Keys handschriftlich (nie digital!). Bewahren Sie diese getrennt vom Gerät auf — z. B. in einem Tresor oder Bankschließfach.
- Passwort-Ort dokumentieren: Teilen Sie Vertrauenspersonen mit, wo Ihre Passwörter zu finden sind. Ob Passwort-Manager oder Notizbuch — der Ort muss bekannt sein.
- Wünsche für jeden Account festhalten: Löschen, als Gedenkseite erhalten, oder übertragen? Für jeden Dienst sollte eine klare Anweisung vorliegen.
- Alles in einem Dokument bündeln: Ein zentrales, ausgedrucktes Dokument — sicher aufbewahrt — ist die einfachste und sicherste Lösung für Ihre Erben.
Digitales Erbe und das Gesetz
In Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt: Digitale Konten sind grundsätzlich vererbbar. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) 2018 in einem Grundsatzurteil klargestellt — Facebook musste einem Vater Zugang zum Profil seiner verstorbenen Tochter gewähren.
Das Problem ist jedoch nicht das Recht, sondern die Praxis: Ohne Passwörter und ohne klare Dokumentation können Erben ihre Rechte oft nicht durchsetzen. Rechtliche Auseinandersetzungen mit Tech-Konzernen sind teuer und langwierig.
Häufige Fragen zum digitalen Erbe
Was passiert mit Krypto nach dem Tod?
Ohne dokumentierten Seed-Phrase oder Private Key sind Kryptowährungen unwiederbringlich verloren. Kein Anbieter, keine Behörde und kein Gericht kann Zugang verschaffen. Die Dokumentation muss zu Lebzeiten erfolgen.
Können Erben auf mein Online-Banking zugreifen?
Erben haben das gesetzliche Recht auf Zugang — aber ohne Passwort müssen sie sich umständlich per Erbschein, Sterbeurkunde und persönlich beim Institut legitimieren. Das dauert Monate. Mit dokumentierten Zugangsdaten geht es in Stunden.
Was passiert mit laufenden Abonnements?
Netflix, Spotify und Co. buchen weiter ab, bis das Konto gekündigt wird. Erben, die nicht wissen, welche Abonnements existieren, zahlen oft wochenlang für ungenutzte Dienste weiter.
Muss ich Passwörter ins Testament schreiben?
Nein — und das sollten Sie auch nicht tun. Testamente können öffentlich werden (Nachlassgericht). Passwörter gehören in ein separates, sicher aufbewahrtes Dokument. Unser Nachlass-Assistent erstellt beides getrennt.
Wie oft sollte ich den digitalen Nachlass aktualisieren?
Mindestens alle 2 Jahre oder bei größeren Änderungen (neues Konto, neues Gerät, neue Krypto-Wallet). Konten ändern sich schnell — ein veraltetes Dokument kann mehr schaden als nutzen.
Digitales Erbe in 10 Minuten regeln
Unser KI-gestützter Assistent führt Sie durch alle wichtigen Fragen und erstellt sofort einen vollständigen Nachlass-Ordner — mit digitaler Übersicht, Passwort-Tabelle und Aktionsplan.
Jetzt starten →🔒 Daten werden nicht gespeichert · Kein Abo · Sofort als PDF